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Mauretanien
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Mauretanien ([], amtlich arabisch ۧÙŰŹÙ
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Ù۱ÙŰȘۧÙÙŰ© al-DschumhĆ«riyya al-IslÄmiyya al-MĆ«rÄ«tÄniyya âIslamische Republik Mauretanienâ, französisch Mauritanie) ist ein Staat im nordwestlichen Afrika am Atlantik. Die PrĂ€sidialrepublik grenzt an die Staaten Algerien im Nordosten, Mali im Osten und SĂŒdosten, Senegal im SĂŒdwesten sowie im Norden und Nordwesten an den Landesstreifen der Westsahara, der nach dem Abzug der Kolonialmacht Spanien 1975 gröĂtenteils von Marokko annektiert wurde. Mauretanien besteht gröĂtenteils aus WĂŒste, ausgenommen eine Dornstrauchsavannenzone entlang der SĂŒdgrenze bis zur Hauptstadt Nouakchott. Nach einem Putsch am 8. August 2008 herrschte kurzzeitig eine MilitĂ€rdiktatur; 2009 fanden wieder PrĂ€sidentschaftswahlen statt, ebenso 2014 und 2019.
Mauretanien gilt seit den BĂŒrgerprotesten von 2011 als relativ sicher, vor allem aufgrund der stabilen Sicherheitslage und der effektiven MaĂnahmen gegen Terrorismus. In der Islamischen Republik gab es seitdem keinen Anschlag. Trotzdem gilt Mauretanien als ein Land mit erheblichen Herausforderungen in Bezug auf Armut, da etwa 40 % der Bevölkerung unter der Armutsgrenze leben. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten sind geprĂ€gt von einer hohen Arbeitslosigkeit, insbesondere unter Jugendlichen, und einer AbhĂ€ngigkeit von Landwirtschaft und Fischerei.cite-ref-5[5]
Contents
âą Geographie
âą Natur
âą Klima
âą Flora und Fauna
âą Nationalparks
⹠Bevölkerung
âą Demografie
âą Volksgruppen
âą Sprachen
âą Religion
âą Bildung
âą Gesundheit
âą Geschichte
âą Kolonialzeit
⹠UnabhÀngigkeit
âą Politik
âą Menschenrechte
⹠MilitÀr
âą AuĂenpolitik
âą Wirtschaft
âą Wirtschaft
âą Staatshaushalt
âą Infrastruktur
âą Kultur
âą Musik
âą Sport
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
Geographie
Natur
Die OberflĂ€chengestalt Mauretaniens bietet ein recht gleichförmiges Bild. An den KĂŒstenstreifen, im SĂŒden zwischen SenegalmĂŒndung und Cap Timiris flache AusgleichskĂŒste, im Norden buchten- und inselreiche SteilkĂŒste, schlieĂt sich landeinwĂ€rts ein ausgedehntes Tiefland an, das mit seinen SanddĂŒnenfeldern die ausgedehnte Senke Sebkha de Ndrhamcha als den tiefsten Punkt Mauretaniens umrahmt und den westlichen Rand der Sahara bildet. Ein kurzer Steilanstieg leitet zu dem weithin ebenen Hochland (300â500 m ĂŒ. M.) im zentralen Landesteil ĂŒber. Hier liegen die Sandsteinplateaus von Adrar, Tagant und AffollĂ© sowie einzelne Inselberge, darunter der Kediet Ijill, mit 915 m die höchste Erhebung des Landes. Zentral in der Sahara, auf der Grenze zwischen den Verwaltungsregionen Tiris Zemmour und Adrar, ist das Naturwunder Guelb er Richat gelegen. Gegen Osten senken sich die ĂŒberwiegend von Geröllfeldern bedeckten HochflĂ€chen zu dem abflusslosen, sandgefĂŒllten Becken El Djouf.
Zwar ist der SĂŒden Mauretaniens durch die in der Regenzeit sich gelegentlich mit OberflĂ€chenwasser fĂŒllenden TrockentĂ€ler zahlreicher Wadis ĂŒberformt,cite-ref-6[6] einziger stĂ€ndig wasserfĂŒhrender Fluss Mauretaniens ist allerdings der Senegal, der die Staatsgrenze zum gleichnamigen Nachbarland im SĂŒden bildet. Aus Mauretanien erhĂ€lt er zeitweise Zufluss aus dem KolimbinĂ©, dem Karakoro und dem Gorgol.
Klima
Im Bereich des nördlichen Wendekreises gelegen, hat Mauretanien gröĂtenteils trockenheiĂes WĂŒstenklima. AbkĂŒhlung bringt nur der kalte Kanarenstrom vor der KĂŒste, wodurch es im KĂŒstengebiet hĂ€ufig zu Nebelbildung kommt. In der NordhĂ€lfte des Landes fallen die NiederschlĂ€ge unter anderem im Winter, allerdings selten mehr als 100 mm pro Jahr, im Ă€uĂersten SĂŒden sind es 300â400 mm, hauptsĂ€chlich von Juli bis Oktober. Die durchschnittlichen Januartemperaturen liegen bei 20â24 °C, die Julitemperaturen bei 30â34 °C, wobei sommerliche Maximalwerte bis 50 °C erreicht werden.
Flora und Fauna
Gras- und BuschflĂ€chen sowie Akazien markieren den Ăbergang von der WĂŒstensteppe zur Dornsavanne des Sahel. In den Oasen wachsen vor allem Dattelpalmen, in der Ăberschwemmungssavanne des Senegal auch Raphiapalmen, AffenbrotbĂ€ume und Bambus. Im KĂŒstenland gibt es ausgedehnte SalzsĂŒmpfe.
UrsprĂŒnglich beherbergten die Savannen GroĂtiere, wie Antilopen, Elefanten, Löwen und HyĂ€nen; die WĂŒstensteppe bot fĂŒr Gazellen, StrauĂe, Warzenschweine, Geparden und Falbkatzen ausreichend Nahrung. Die meisten gröĂeren Tierarten des Landes sind allerdings ausgestorben. In den DĂŒnen finden sich verschiedene Skorpione und Schlangen.
Des Weiteren wurden in Mauretanien Nilkrokodile entdeckt, welche meist an Gueltas leben und die geringe Niederschlagsmenge so gut es geht nutzen, um sich in der Trockenperiode in kĂŒhle Felsspalten unter der Erde zurĂŒckzuziehen. Dabei fahren sie ihren Stoffwechsel auf ein Minimum herunter und verfallen in eine Starre, die es ihnen erlaubt, monatelang ohne Wasser und Nahrung zu ĂŒberleben.cite-ref-7[7]
Zwischen 1990 und 2000 hat der Waldbestand um 2,7 Prozent abgenommen.
Nationalparks
In Mauretanien gibt es folgende Nationalparks:
âą Nationalpark Banc dâArguin (1976 ausgewiesen)
âą Nationalpark Diawling (1990 ausgewiesen)
âą Nationalpark Awleigatt (2016 ausgewiesen)cite-ref-8[8]
Bevölkerung
Demografie
Mauretanien hatte 2023 4,9 Millionen Einwohner.cite-ref-10[10] Das jĂ€hrliche Bevölkerungswachstum betrug + 2,6 %. Zum Bevölkerungswachstum trug ein GeburtenĂŒberschuss (Geburtenziffer: 33,0 pro 1000 Einwohnercite-ref-11[11] vs. Sterbeziffer: 7,2 pro 1000 Einwohnercite-ref-12[12]) bei. Die Anzahl der Geburten pro Frau lag 2022 statistisch bei 4,3.cite-ref-gebrat-13-0[13] Ausgehend von einem hohen Niveau von fast 7 Kindern pro Frau sinkt die FertilitĂ€tsrate seit den 1960er Jahren kontinuierlich. Die Lebenserwartung der Einwohner Mauretaniens ab der Geburt lag 2022 bei 64,7 Jahrencite-ref-leberw-14-0[14]. Der Median des Alters der Bevölkerung lag im Jahr 2021 bei 17,6 Jahren.cite-ref-15[15] Im Jahr 2023 waren 41,2 Prozent der Bevölkerung unter 15 Jahre,cite-ref-16[16] wĂ€hrend der Anteil der ĂŒber 64-JĂ€hrigen 3,2 Prozent der Bevölkerung betrug.cite-ref-17[17]
| Jahr | Einwohnerzahl | Jahr | Einwohnerzahl |
|---|---|---|---|
| 1950 | 0. 660.000 | 1990 | 2.030.000 |
| 1960 | 0. 858.000 | 2000 | 2.709.000 |
| 1970 | 1.149.000 | 2010 | 3.610.000 |
| 1980 | 1.534.000 | 2020 | 4.650.000 |
Bevölkerungsstruktur
Der frĂŒher hohe Anteil an Nomaden ist stark zurĂŒckgegangen. 1957 lebten noch 90 % der Bevölkerung als Nomaden in Zelten, gröĂere StĂ€dte gab es nicht.cite-ref-19[19] Dagegen wohnten 2020 bereits 55 % der Bevölkerung in den StĂ€dten. Vier FĂŒnftel der Einwohner leben auf 15 % der LandesflĂ€che, vorwiegend im SĂŒden.
Mehr als andere StĂ€dte reflektiert Nouakchott die durch schnelle und nicht kontrollierte Urbanisierung verursachten Probleme. Anfangs als kleine zentrale Verwaltungsstelle mit etwa 30.000 Einwohnern im Jahre 1959 errichtet, erreichte sie schon im Jahre 1970 mehr als 40.000 Einwohner und wuchs in den 1970er Jahren um 15 bis 20 % pro Jahr. Dieses schnelle Wachstum hĂ€lt auch am Anfang des 21. Jahrhunderts an: 2013 hatte die Stadt knapp eine Million Einwohner. Der daraus resultierende Mangel an Wasser und an Wohnraum ist ein groĂes Problem. Die meisten der Neuankömmlinge landen in sogenannten Kebbas (Vorstadtvierteln), die im nĂ€heren Umfeld der Hauptstadt entstanden sind. Im Jahre 1983 schĂ€tzte ein französischer Forscher, dass mehr als 40 % der Bevölkerung von Nouakchott in den Kebbas lebte und der Anteil noch weiter steigen werde. Die Regierung Mauretaniens versuchte, dieses Problem zu lösen, indem sie all denen Boden und Saatgut sowie Transportmöglichkeiten anbot, die zur RĂŒckkehr in die lĂ€ndlichen Regionen bereit wĂ€ren. Die Realisierung des ambitionierten Programmes erwies sich aber in Anbetracht dauerhafter DĂŒrre als schwierig.
Es ist eine wesentliche Anzahl an AuslĂ€ndern â mehr als 15 % der ArbeitskrĂ€fte in den modernen Wirtschaftsbereichen â notwendig, um die Nachfrage an qualifizierten ArbeitskrĂ€ften zu decken. Gleichzeitig verlieĂen mehr als 600.000 Mauretanier ihr Land auf der Suche nach BeschĂ€ftigung in Westafrika, im Mittleren Osten und in Westeuropa.
Volksgruppen
â
Hauptartikel
:
Ethnien in Mauretanien
In Mauretanien treffen arabische, berberische und schwarzafrikanische Völkergruppen zusammen, die sich stark miteinander vermischt haben, so dass Prozentangaben zu einzelnen Ethnien kaum möglich sind. Etwa 70 % der Bevölkerung sprechen Hassania. Sie gehören zu den arabisch-berberischen Mauren. Etwa die HĂ€lfte dieser Hassania-Sprecher wird als Bidhan oder WeiĂe Mauren bezeichnet und gehört zu den beiden oberen Schichten der traditionell stark hierarchisch gegliederten mauretanischen Gesellschaft, den Hassani (Kriegern) und Marabout (Islamgelehrten). Die andere HĂ€lfte heiĂt Haratin. Diese durchschnittlich etwas dunkelhĂ€utigeren Menschen haben Vorfahren, die ehemals Sklaven waren. Die ĂŒbrigen 30 % der Gesamtbevölkerung teilen sich mehrere schwarzafrikanische Völker (zusammen Soudans), die ĂŒberwiegend entlang des Senegalflusses im SĂŒden leben.cite-ref-20[20] Eine Ă€hnliche Einteilung schĂ€tzt grob 30 % Bidhan (weiĂe Mauren), 40 % Haratin (dunkelhĂ€utige Mauren) und 30 % Schwarze.cite-ref-cia-21-0[21] Zu den schwarzafrikanischen Völkern gehören die ĂŒberwiegend Ackerbau treibenden Tukulor und die Fulbe, traditionell Rinderhirten. Beide werden wegen ihrer gemeinsamen Sprache Pulaar als Halpulaaren zusammengefasst. Kleinere Volksgruppen sind die SarakolĂ©, Wolof und Bambara. Etwa 5000 EuropĂ€er (meist Franzosen) leben im Land.
Der Kompromiss zwischen den verschiedenen Kulturen Mauretaniens ist wichtig fĂŒr den Zusammenhalt der Nation. Traditionell wird das Land â auch geographisch â gemÀà diesen Volksgruppen in das sogenannte Ard al-BÄ«dÄn, was âLand der WeiĂenâ bedeutet, und Ard as-SĆ«dÄn, âLand der Schwarzenâ, unterteilt. Diese oft benutzten Begriffe werden jedoch nicht pejorativ gedacht. Die Einteilung ist mehr wirtschaftlich-traditionellen als ethnischen Ursprungs. In der Tat gehören viele Schwarzafrikaner der nomadischen Welt an, die Benennung âMaurenâ beziehungsweise âBÄ«dÄnâ gilt all jenen nomadischen Gruppen, die kulturell arabisiert wurden â ungeachtet ihres ethnischen Ursprungs, also inklusive der âMaurenâ mit schwarzafrikanischem Hintergrund. Die Kategorie âSchwarzafrikanerâ (nĂ©gro africains) fasst sĂ€mtliche nicht-arabischsprachigen Mauretanier zusammen. Eine von schwarzen Nationalisten propagierte, noch weiter ausgedehnte Zuordnung schlieĂt als âSchwarzmauretanierâ (nĂ©gro-mauritaniens) auch die Arabisch sprechenden Haratins mit ein, mit der Absicht, eine gröĂere Front gegen die âweiĂenâ Mauretanier bilden zu können.cite-ref-22[22] Heute gilt der Islam als Bindung zwischen den verschiedenen Ethnien und ist die einzige vom Volk anerkannte Legitimierung eines jeden Gesetzes.
Sprachen
Alleinige Amtssprache ist heute das Arabische; das wÀhrend der Kolonialzeit offiziell gesprochene Französisch hat sich als Arbeits-, Handels- und Bildungssprache erhalten. Französisch ist neben Arabisch Unterrichtssprache.
Gesprochen wird ĂŒberwiegend Hassania, die maurische VarietĂ€t des Arabischen. Die westatlantischen Sprachen Pulaar und Wolof sowie die Mande-Sprache Soninke sind ebenfalls anerkannte Nationalsprachen. AuĂerdem werden noch die Berbersprachen Imeraguen und Zenaga gesprochen, die aber fast ausgestorben sind.cite-ref-25[25]
Religion
Inzwischen sind annĂ€hernd 100 % der Bevölkerung sunnitische Muslime, die der malikitischen Rechtsschule angehören. Die winzige Minderheit der mauretanischen Christen, vorwiegend Katholiken, spielt im öffentlichen Leben keine Rolle. AnhĂ€nger der jĂŒdischen Religion existieren kaum.
Bildung
Obgleich allgemeine Schulpflicht fĂŒr 6- bis 11-JĂ€hrige besteht, werden nur rund 75 % der Kinder eingeschult. Etwa 46,5 % der Bevölkerung sind trotz steigenden Grundschulbesuchs Analphabeten (2017). Die durchschnittliche Schulbesuchsdauer der ĂŒber 25-JĂ€hrigen betrug 2020 nur 4,7 Jahre, die erwartete Schulbesuchsdauer der nachwachsenden Generation liegt bei 8,6 Jahren.cite-ref-26[26] Das Land gab 2016 nur 2,6 % der ohnehin kleinen Wirtschaftsleistung fĂŒr Bildung aus.cite-ref-cia-21-1[21] FrĂŒher war das Schulsystem in einen (dominierenden) arabischsprachigen und einen (kleineren) französischsprachigen Zweig aufgeteilt. Seit 1999 findet der gesamte Unterricht im ersten Grundschuljahr auf Arabisch statt, aber Französischunterricht wurde fĂŒr alle SchĂŒler und Studenten verbindlich. Naturwissenschaftliche FĂ€cher werden an den UniversitĂ€ten grundsĂ€tzlich auf Französisch unterrichtet.
Das Land besitzt seit 1983 die UniversitĂ€t Nouakchott, die Ăcole Normale Superieure de Nouakchottcite-ref-27[27] und die Chinguetti Modern University.
Gesundheit
Die Gesundheitsausgaben des Landes betrugen im Jahr 2021 4,1 % des Bruttoinlandsprodukts.cite-ref-28[28] Im Jahr 2020 praktizierten in Mauretanien 2,1 Ărztinnen und Ărzte je 10.000 Einwohner.cite-ref-29[29] Die Sterblichkeit bei unter 5-JĂ€hrigen betrug 2022 39,2 pro 1000 Lebendgeburten.cite-ref-30[30] Die Lebenserwartung der Einwohner Mauretaniens ab der Geburt lag 2022 bei 64,7 Jahrencite-ref-leberw-14-1[14] (Frauen: 66,4cite-ref-31[31], MĂ€nner: 63cite-ref-32[32]). Die Lebenserwartung stieg von 61 Jahren im Jahr 2000 bis 2022 um 6 %.cite-ref-leberw-14-2[14]
Das gröĂte und modernste Krankenhaus ist das 2001 fertiggestellte Centre Hospitalier National de Nouakchott (Nationalkrankenhaus) in der Landeshauptstadt. Wegen seiner ökologisch angepassten Bauweise erhielt 1995 das Regionalkrankenhaus in KaĂ©di (HĂŽpital de KaĂ©di) einen Architekturpreis.
Verschiedene ethnische Gruppen Mauretaniens praktizieren in unterschiedlichem AusmaĂ die weibliche GenitalverstĂŒmmelung. Aus den Ergebnissen der mauretanischen Bevölkerungs- und Gesundheitsstudie (EDSM â EnquĂȘte DĂ©mographique et de la SantĂ©) von 2000/01 schlieĂt die GTZ, dass 71 % der Frauen und MĂ€dchen davon betroffen sind. Ein Gesetz von Dezember 2005 stellt nunmehr âeinen Eingriff an den Geschlechtsorganen eines Kindes weiblichen Geschlechtsâ unter Strafe, âwenn diesem daraus ein Schaden entstanden istâ. Die Association des Imams et des OulĂ©mas verhĂ€ngte 2006 eine Fatwa gegen weibliche GenitalverstĂŒmmelung.cite-ref-33[33] AIDS ist in Mauretanien im Gegensatz zu den meisten anderen LĂ€ndern Afrikas kein groĂes Problem. Die Zahl der Infizierten wurde 2017 auf 9000 geschĂ€tzt.cite-ref-cia-21-2[21] 2021 waren weniger als 0,1 % der mĂ€nnlichen und auch der weiblichen Jugendlichen (15â24 Jahre) von HIV betroffen (Westafrika: 0,3 % und 0,6 %, Afrika: 0,7 % und 1,5 %).cite-ref-34[34]
Geschichte
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Hauptartikel
:
Geschichte Mauretaniens
FrĂŒheste Nachweise einer Besiedlung durch nomadische Berber und schwarzafrikanische Völker finden sich schon um 10.000 v. Chr. Der Landesname ist vom saharischen Stamm der Mauren abgeleitet. Daher rĂŒhren auch die Namen der Römischen Provinzen an der afrikanischen MittelmeerkĂŒste, Mauretania Tingitana und Mauretania Caesariensis, die mit dem heutigen Land Mauretanien geografisch nichts zu tun haben.
Als im 7. Jahrhundert arabische Krieger den Islam in den Maghreb trugen, Ă€nderte sich am Leben der Völkergemeinschaft sĂŒdlich der Sahara noch nichts. Der Islam verbreitete sich entlang der Handels- und Karawanenrouten durch die Sahara, blieb aber ĂŒber Jahrhunderte hin eine Religion der âfremden HĂ€ndlerâ, bis sich auch die Oberschicht in den afrikanischen Stadtgemeinschaften fĂŒr diese Religion interessierte und sich zum Islam bekehrte. Auch als die groĂen Reiche Westafrikas im 11. Jahrhundert zum Islam konvertierten und vom Tschadsee (Kanem-Bornu) und dem Niger (Gana, Songhai, Mali) aus der Islam weiter in das Gebiet eindrang, blieb das von den traditionellen Religionen animistisch geprĂ€gte Leben der Landbevölkerung erhalten. Muslime hatten â wie etwa aus dem Niger-Bogen berichtet wird â ihre eigene Stadt abseits der Königsstadt, sie fĂŒhrten ein eigenstĂ€ndiges Leben innerhalb der Königreiche, und wenn sich der Herrscher mit seiner Familie zum Islam bekehrte, dann war damit nicht auch gleichzeitig die Islamisierung des gesamten Staates verbunden. Chinguetti galt als siebtheiligste StĂ€tte des Islams und war lange Zeit das religiöse Zentrum eines groĂen Gebietes und ein Treffpunkt der Pilger auf ihrem Weg nach Mekka.
Zu Beginn des 11. Jahrhunderts grĂŒndeten islamisierte Mauren das Almoraviden-Reich, das sich in seiner Glanzzeit im 11. und 12. Jahrhundert auch das Reich von Gana einverleibte und bis zum Ebro in Spanien reichte. Dieses Reich brach 1147 zusammen; der Norden Mauretaniens blieb lose mit Marokko verbunden, der SĂŒden mit Mali. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts begannen dann die nomadischen Kunta-Araber, erneut die Lehre des Islam zu predigen. Um die Mitte des 16. Jahrhunderts begann die Qadiriyya-Bruderschaft, zu der auch die Kunta-Araber gehörten, den Islam im gesamten westlichen Sudan weiter zu verbreiten. Erst in dieser Zeit wandelte sich der Islam von der bloĂen âHerrschaftsreligionâ zur Religion des Einzelnen, aber nichtislamische HerrscherhĂ€user regierten in alten Moslemhochburgen bis ins 18. Jahrhundert hinein. Dann begann eine Reform des Islam bei den Fulbe und anderen StĂ€mmen, die zugleich mit einer Ideologisierung und Radikalisierung einherging.
Kolonialzeit
Da die KĂŒste des Landes schlecht zugĂ€nglich war und die KolonialmĂ€chte ĂŒber Jahrhunderte keine Kunde von den vorhandenen BodenschĂ€tzen hatten, zeigten sie bis Ende des 19. Jahrhunderts kaum Interesse an Mauretanien (vgl. Arguin). An der Wende zum 20. Jahrhundert begannen die Franzosen von SĂŒden her mit der Unterwerfung des Landes, das fĂŒr sie vor allem strategische Bedeutung als Bindeglied zwischen west- und nordafrikanischen Besitzungen hatte. 1904 wurde das Gebiet französisches Territorium im Rahmen Französisch-Westafrikas (AOF), 1920 französische Kolonie, doch gelang es den Franzosen erst 1934, letzte AufstĂ€nde im Norden zu unterdrĂŒcken. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Mauretanien im Rahmen der französischen Entkolonialisierungspolitik Ăberseeprovinz und damit Mitglied der Union française.
Entsprechend der Loi Lamine GuĂšye von 1946 hatten alle BĂŒrger bei Wahlen zum französischen Parlament und auch bei lokalen Wahlen ein Wahlrecht. Das passive Wahlrecht wurde in dem Gesetz nicht ausdrĂŒcklich erwĂ€hnt, war aber auch nicht ausgeschlossen. Bei den Wahlen zum Pariser Parlament gab es in Französisch-Westafrika, wozu Mauretanien gehörte, kein Zweiklassenwahlrecht wie in anderen französischen Kolonien, fĂŒr alle örtlichen Wahlen jedoch schon.cite-ref-ansprenger73-35-0[35] Bis 1955 gab es im Osten des Landes noch Gebiete, die den EuropĂ€ern unbekannt waren: In diesem Jahr durchquerte der Franzose ThĂ©odore Monod als erster EuropĂ€er die Landschaft El Djouf. Am 23. Juni 1956, noch unter französischer Verwaltung, wurde die loi-cadre Defferre eingefĂŒhrt, die das allgemeine Wahlrecht bestĂ€tigte. Die ersten Wahlen fanden 1957 statt. 1959 wurde Mokhtar Ould Daddah Regierungschef.
UnabhÀngigkeit
Trotz marokkanischer AnsprĂŒche auf Mauretanien erhielt das Land am 28. November (Nationalfeiertag) 1960 seine UnabhĂ€ngigkeit. Am 20. Mai 1961 wurden das aktive und das passive Frauenwahlrecht gesetzlich verankert.cite-ref-36[36] Ab 1961 war Ould Daddah, der sich auch âVater des Vaterlandesâ nennen lieĂ, StaatsprĂ€sident sowie ab 1964 GeneralsekretĂ€r der aus mehreren Parteien gebildeten Einheitspartei Parti du Peuple Mauretanien (PPM). Die seit etwa 1970 bestehenden Streitigkeiten mit den angrenzenden LĂ€ndern um den Besitz der einstigen spanischen Ăberseeprovinz Spanisch-Sahara (Westsahara) endeten im Jahre 1976 nach dem RĂŒckzug Spaniens aus dem Territorium mit der Annexion durch Marokko und Mauretanien. Die saharanische Guerillabewegung Polisario fĂŒhrt seither einen Kampf um einen eigenen Staat. FĂŒr Mauretanien hatte dieser Konflikt katastrophale wirtschaftliche Folgen, die schlieĂlich 1978 zum Sturz Ould Daddahs und zum Verbot der PPM fĂŒhrten. Im August 1979 gab Mauretanien alle AnsprĂŒche auf das Westsahara-Territorium auf. In den darauffolgenden Jahren erlebte Mauretanien mehrere UmstĂŒrze und Regierungsumbildungen. Es regierten nacheinander die Obristen Mustafa Ould Salek (1978â1979), Mohamed Mahmoud Ould Louly (1979â1980) und Mohamed Khouna Ould Haidalla (1980â1984). Am 12. Dezember 1984 gelangte Oberst Maaouya Ould SidâAhmed Taya an die Macht. Anfang 1991 kĂŒndigte er eine demokratische Umgestaltung des Landes an. GemÀà einer im Juli 1991 verabschiedeten Verfassung fanden 1992 freie Parlaments- und PrĂ€sidentschaftswahlen statt, die allerdings von der Opposition angefochten wurden.
MilitÀrputsch 2005
Aufgrund der dauerhaften Stagnation und der unterbliebenen Reformen kam es immer wieder zu Putschversuchen gegen Taya, die schlieĂlich am 3. August 2005 Erfolg hatten. An diesem Tag besetzte eine Gruppe von Offizieren, die sich MilitĂ€rrat fĂŒr Gerechtigkeit und Demokratie (Conseil Militaire pour la Justice et la DĂ©mocratie CMJD) nennt, das Armee-Hauptquartier, den Sitz des staatlichen Hörfunks und des Fernsehens sowie die Ministerien und den PrĂ€sidentenpalast in Nouakchott und erklĂ€rte PrĂ€sident Taya fĂŒr abgesetzt. Die Putschisten hatten einen Auslandsaufenthalt Tayas anlĂ€sslich des BegrĂ€bnisses von König Fahd in Saudi-Arabien genutzt und die Verfassung auĂer Kraft gesetzt. Taya kehrte nicht nach Mauretanien zurĂŒck, sondern fand nach Zwischenaufenthalten in Niger und Gambia Aufnahme in Katar. Die Putschisten bestimmten den langjĂ€hrigen bisherigen Polizei- und Geheimdienstchef, Oberst Ely Ould Mohammed Vall, zum neuen FĂŒhrer des Landes. Die neue MilitĂ€rregierung kĂŒndigte an, innerhalb von zwei Jahren demokratische VerhĂ€ltnisse in Mauretanien einzufĂŒhren. Oberst Vall wurde zum Vorsitzenden des 17-köpfigen MilitĂ€rrates und damit zum Staats- und Regierungschef ernannt.cite-ref-37[37] Am 5. August wurde Mauretanien âbis zur Wiederherstellung der verfassungsmĂ€Ăigen Ordnungâ vorĂŒbergehend aus der Afrikanischen Union (AU) ausgeschlossen.
Bei einem Verfassungsreferendum im Juni 2006 war von der Bevölkerung eine neue demokratischere Verfassung gebilligt worden. Die erste Runde der Parlamentswahlen fand am 19. November bei einer Wahlbeteiligung von 69,5 %, die zweite Runde am 3. Dezember 2006 statt. Die Mitglieder der MilitĂ€rregierung hatten im Vorfeld der Wahlen versprochen, selbst nicht fĂŒr öffentliche Ămter zu kandidieren. Fast die HĂ€lfte der Sitze wurde von unabhĂ€ngigen Kandidaten gewonnen, darunter viele Mitglieder der frĂŒheren Regierungspartei, die nicht mit dem gestĂŒrzten Regime in Verbindung gebracht werden wollten, sowie Islamisten, deren Parteien verboten worden waren. Wahlbeobachter bezeichneten die Wahlen als frei und fair.cite-ref-38[38] Am 21. Januar und am 4. Februar 2007 wurde der Senat in indirekten Wahlen durch 3688 LokalrĂ€te bestimmt.
Bei den PrĂ€sidentschaftswahlen am 11. MĂ€rz konnte keiner der 20 Kandidaten die notwendige absolute Mehrheit erreichen. Der als Kandidat der MilitĂ€rregierung geltende frĂŒhere Finanzminister Sidi Mohamed Ould Cheikh Abdallahi, der 15 Jahre im Ausland gelebt hatte, erreichte bei einer Wahlbeteiligung von 70,2 % mit 24,8 % der Stimmen das beste Ergebnis, knapp vor dem Kandidaten der oppositionellen CFCD, Ahmed Ould Daddah, mit 20,7 %. Daddah ist ein Halbbruder des ersten PrĂ€sidenten Mauretaniens nach der UnabhĂ€ngigkeit, Mokhtar Ould Daddah. Seit 2000 hatte sich Daddah zum wichtigsten Gegner des gestĂŒrzten PrĂ€sidenten Taya entwickelt und war mehrfach inhaftiert worden. DrittstĂ€rkster Kandidat wurde der frĂŒhere Zentralbankchef Zeine Ould Zeidane. WĂ€hrend die beiden Kandidaten der schwarzafrikanischen Minderheit mit acht bis knapp zehn Prozent erstaunlich gut abschnitten, blieben die beiden Kandidaten des islamistischen Lagers mit knapp zwei bis knapp acht Prozent deutlich hinter den Erwartungen zurĂŒck. Die Stichwahl am 25. MĂ€rz endete bei einer Wahlbeteiligung von 67,4 % mit dem Sieg Abdallahis, der auf 52,9 % der Stimmen kam, nachdem Zeidane und weitere Kandidaten ihren AnhĂ€ngern seine Wahl empfohlen hatten. Daddah erkannte seine Niederlage an. Am 19. April berief Abdallahi Zeidane zum neuen MinisterprĂ€sidenten.
Wahlen 2006
Nach den Parlamentswahlen 2006 errang die Coalition des Forces du Changement DĂ©mocratique (CFCD) insgesamt 41 Sitze, die frĂŒhere Regierungspartei Parti RĂ©publicain, DĂ©mocrate et Social (PRDS) nur sieben und sonstige Parteien sowie unabhĂ€ngige Kandidaten insgesamt 47 Sitze. Im Senat stellen die UnabhĂ€ngigen 38 und die CFCD 15 Sitze.
Nach dem MilitÀrputsch 2008
Am 6. August 2008 kam es erneut zu einem MilitĂ€rputsch gegen den PrĂ€sidenten und den Regierungschef des Landes. MilitĂ€rs hatten beide Politiker in der Hauptstadt Nouakchott in ihre Gewalt gebracht. Zuerst informierte das französische AuĂenamt, dass eine Gruppe mauretanischer GenerĂ€le den Regierungschef, Yahya Ould Ahmed El Waghef, festgesetzt habe. Augenzeugen berichteten gegenĂŒber auslĂ€ndischen Pressevertretern von Truppenbewegungen in Nouakchott. Demnach stellten die Radio- und Fernsehsender ihre Sendungen ein. Die MilitĂ€r-Junta wurde gefĂŒhrt von vier hochrangigen Offizieren, die kurz zuvor entlassen worden waren, weil sie sich gegen eine zunehmende Hinwendung zu islamistischen KrĂ€ften wendeten. Der selbsternannte âStaatsratâ aus elf Angehörigen der Armee wurde vom ehemaligen Kommandeur der PrĂ€sidentengarde, General Mohamed Ould Abdel Aziz, angefĂŒhrt.cite-ref-39[39] Zuvor hatten 69 der 95 Abgeordneten im Parlament den RĂŒcktritt des PrĂ€sidenten Abdallahi gefordert.
PrÀsidentschaftswahlen seit 2009
Am 18. Juli 2009 fanden das erste Mal seit dem Staatsstreich wieder PrĂ€sidentschaftswahlen statt. Es gab neun Kandidaten, darunter auch der frĂŒhere Junta-Chef Aziz. Die Wahl wurde von 250 internationalen Beobachtern ĂŒberwacht.cite-ref-40[40] Am 20. Juli verkĂŒndete das Innenministerium, Abdel Aziz habe 52,6 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen können. Dieser wurde damit Wahlsieger. Die vier aussichtsreichsten Konkurrenten warfen Aziz Wahlbetrug vor.cite-ref-41[41]
Bei der zweiten PrĂ€sidentschaftswahl nach dem Staatsstreich, die im Juni 2014 stattfand, kam nach dem amtlichen AuszĂ€hlungsergebnis Mohammed Ould Abdel Aziz auf mehr als 80 Prozent der abgegebenen Stimmen. Die Wahlbeteiligung lag diesmal bei mehr als 56 Prozent. Aziz hatte vier Gegenkandidaten, wobei die gröĂeren Oppositionsparteien zum Boykott der Wahl aufgerufen hatten.cite-ref-42[42]
Mauretanien gilt seit 2011 bis heute relativ sicher, vor allem aufgrund der stabilen Sicherheitslage und der effektiven MaĂnahmen gegen Terrorismus. In der Islamischen Republik gab es seitdem keinen einzigen Anschlag. Die Sicherheit wird maĂgeblich durch die MĂ©haristes, Dromedar-Reiterpatrouillen, gewĂ€hrleistet, die an den Grenzen patrouillieren und eine wichtige Rolle im Schutz des Landes spielen. Diese Einheit unterstĂŒtzt nicht nur die nationale Sicherheit, sondern interagiert auch mit der lokalen Bevölkerung (und versorgt diese beispielsweise mit Medizin), um Vertrauen aufzubauen und Informationen zu sammeln, was zur StabilitĂ€t in der Region beitrĂ€gt.cite-ref-43[43] Mauretanien genieĂt auch das Vertrauen des Westens, da es als verlĂ€sslicher Partner im Kampf gegen den Terrorismus gilt.cite-ref-44[44]
Politik
Politisches System
GemÀà der Verfassung von 2006 ist Mauretanien eine Islamische PrĂ€sidialrepublik. Das Staatsoberhaupt wird alle fĂŒnf Jahre direkt vom Volk fĂŒr maximal zwei Amtszeiten gewĂ€hlt. Es ernennt und entlĂ€sst die Regierung.
Bei den PrĂ€sidentschaftswahlen am 22. Juni 2019 wurde Mohamed Ould Ghazouani mit 52 % im ersten Wahlgang zum Nachfolger von Mohamed Ould Abdel Aziz gewĂ€hlt, dessen zweite Amtszeit endete. Beide sind Mitglied der Union fĂŒr die Republik (Union pour la rĂ©publique, UPR) und gelten als enge politische Vertraute. Wahlbeobachter stellten zwar UnregelmĂ€Ăigkeiten fest, bewerteten die Wahl dennoch als friedlich und insgesamt zufriedenstellend.cite-ref-45[45] Zum ersten Mal in der Geschichte des Landes gelang ein gewaltloser Ăbergang. Seit der Wahl distanziert sich der neue PrĂ€sident immer weiter von seinem VorgĂ€nger und isoliert ihn von politischem Einfluss. Gleichzeitig pflegt Ghazouani einen inklusiveren Politikstil, indem er sich hĂ€ufiger mit Vertretern der Zivilgesellschaft und der Opposition abspricht.cite-ref-46[46] Im August 2019 ernannte er IsmaĂŻl Ould Bedda Ould Cheikh Sidiya (UPR) zum Premierminister, dessen Regierung nach nur einem Jahr zurĂŒcktrat. Nachfolger wurde Mohamed Ould Bilal. Die PrĂ€sidentschaftswahl im Jahr 2024 ergab eine BestĂ€tigung des Amtsinhabers Mohamed Ould Ghazouani mit 56,1 % der Stimmen.
Das Parlament besteht aus der Nationalversammlung, deren 157 Mitglieder alle fĂŒnf Jahre in einer Mischung aus Mehrheits- und VerhĂ€ltniswahl gewĂ€hlt werden. Vier Abgeordnete werden von Mauretaniern im Ausland gewĂ€hlt. MĂ€nner und Frauen besitzen ab 18 Jahren das Wahlrecht. An der letzten Wahl im September 2018 nahmen fast 100 Parteien teil, einschlieĂlich oppositioneller Parteien, die vorherige Wahlen boykottierten. Die regierende UPR erzielte eine Mehrheit von 89 Sitzen. GröĂte Oppositionspartei ist die islamistische Partei Tawassoul. Wahlbeobachter der Afrikanischen Union kritisierten zwar Ungereimtheiten, die aber die GĂŒltigkeit der Wahl nicht in Frage stellten.cite-ref-47[47]
Bis 2017 existierte noch ein Zweikammerparlament. Der Senat wurde aber im Zuge eines Verfassungsreferendums abgeschafft. Dessen 56 Mitglieder (drei Vertreter der Auslandsmauretanier) wurden alle sechs Jahre indirekt gewÀhlt.
Politische Indizes
| Name des Index | Indexwert | Weltweiter Rang | Interpretationshilfe | Jahr |
|---|---|---|---|---|
| Fragile States Index | 87 von 120 | 34 von 179 | StabilitĂ€t des Landes: groĂe Warnung 0 = sehr nachhaltig / 120 = sehr alarmierend Rang: 1 = fragilstes Land / 179 = stabilstes Land | 2024 [ 48 ] |
| Demokratieindex | 3,96 von 10 | 108 von 167 | AutoritÀres Regime 0 = autoritÀres Regime / 10 = vollstÀndige Demokratie | 2024 [ 49 ] |
| Freedom in the World Index | 39 von 100 | â | Freiheitsstatus: teilweise frei 0 = unfrei / 100 = frei | 2024 [ 50 ] |
| Rangliste der Pressefreiheit | 74,2 von 100 | 33 von 180 | Zufriedenstellende Lage fĂŒr die Pressefreiheit 100 = gute Lage / 0 = sehr ernste Lage | 2024 [ 51 ] |
| Korruptionswahrnehmungsindex (CPI) | 30 von 100 | 130 von 181 | 0 = sehr korrupt / 100 = sehr sauber | 2024 [ 52 ] |
Menschenrechte
Der Islam ist Staatsreligion. Es gilt islamisches Recht (Schariâa). Ein Muslim, der zu einer anderen Religion ĂŒbertritt, wird nach Artikel 306 des Strafrechts wegen Glaubensabfall (Ridda) mit der Todesstrafe bedroht, die bislang aber nicht verhĂ€ngt wurde.
Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International wies in ihrem Jahresbericht 2010 besonders auf unverhĂ€ltnismĂ€Ăige Gewalt und systematische Folter gegen Demonstranten, HĂ€ftlinge und die Zivilbevölkerung hin. Bei Amnesty International gingen auch 2009 Berichte ĂŒber harte und willkĂŒrlich verhĂ€ngte StrafmaĂnahmen ein. Die GefĂ€ngnisse sind ĂŒberfĂŒllt.
Eine UN-Sonderberichterstatterin, die sich mit modernen Formen der Sklaverei einschlieĂlich ihrer Ursachen und Folgen beschĂ€ftigt, besuchte Mauretanien im Oktober und November 2009. Sie lobte die BemĂŒhungen der Regierung und der Zivilgesellschaft, die Sklaverei abzuschaffen. Gleichzeitig unterstrich sie aber, dass ein Ansatz zur BekĂ€mpfung sĂ€mtlicher Formen der Diskriminierung und der Armut gefunden werden mĂŒsse, der auf mehr Ganzheitlichkeit, Zusammenarbeit und Nachhaltigkeit beruhe. Dieser Ansatz mĂŒsse zudem die gesamte Gesellschaft umfassen. Die Sklaverei ist seit 1980 offiziell abgeschafft, wird aber nach wie vor im ganzen Land praktiziert. Nach SchĂ€tzungen der Anti-Sklaverei-Organisation SOS Esclaves gab es 2010 in Mauretanien 600.000 Sklaven.cite-ref-sz-872567-53-0[53]cite-ref-54[54] Der Anteil von Sklaven an der Gesamtbevölkerung ist der höchste der Welt. Die Sklaverei in Mauretanien besteht trotz ihrer mehrmaligen offiziellen Abschaffung â zuletzt 2007 â weiter fort und betrifft die Nachfahren von vor Generationen versklavten und bis heute nicht freigelassenen Menschen, davon ĂŒberwiegend Schwarze. Darunter sind auch viele Kinder. Der Anteil arbeitender Kinder unter den Zehn- bis FĂŒnfzehnjĂ€hrigen lag im Jahr 2019 bei geschĂ€tzten 20 %.cite-ref-55[55]
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Hauptartikel
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Sklaverei in Mauretanien
Ein UN-Sonderberichterstatter, der sich mit den modernen Formen des Rassismus beschĂ€ftigt, Ă€uĂerte sich besorgt ĂŒber die anhaltende Diskriminierung der schwarzen Bevölkerung Mauretaniens in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.cite-ref-56[56] Die Elite der weiĂen Mauren hatte lange die meiste politische Macht inne, wĂ€hrend Hunderttausende schwarze Mauren bis heute in Sklaverei leben und die Soudans unterdrĂŒckt wurden. Konflikte zwischen weiĂen Mauren und Soudans gipfelten 1989, als nach Ăbergriffen zehntausende Soudans ĂŒber die Grenze nach Senegal flohen. 2007 unterzeichnete die neue Regierung Mauretaniens ein Abkommen mit Senegal, um die RĂŒckkehr dieser FlĂŒchtlinge zu ermöglichen.cite-ref-57[57]
Mauretanien hat zwar im Jahr 2000 das Abkommen zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau (CEDAW) unterzeichnet, aber trotzdem kommt es immer wieder zu gezielten Ăbergriffen. So misshandelten am 19. April 2009 SicherheitskrĂ€fte zahlreiche Frauen, unter ihnen ehemalige Ministerinnen, Abgeordnete und Menschenrechtsverteidigerinnen, mit Tritten und SchlĂ€gen. Dabei setzten sie Stöcke und GĂŒrtel ein. Die Frauen hatten sich vor der Vertretung der Vereinten Nationen in Nouakchott zu einem Sitzstreik versammelt. Die ehemalige Bildungsministerin Nebghouha Mint Mohamed Vall und ihre Tochter wurden von der Polizei geschlagen. Eine weitere Frau, die ebenfalls geschlagen wurde, verlor das Bewusstsein und musste in ein Krankenhaus eingeliefert werden.cite-ref-58[58]
Die Situation von Homo- und Bisexuellen und Transgender ist bedrohlich.cite-ref-zeit-2009-04-29-59-0[59]cite-ref-60[60]cite-ref-spiegel-66803952-61-0[61] HomosexualitÀt in Mauretanien ist gesellschaftlich tabuisiert und homosexuelle Handlungen werden mit GefÀngnis bestraft. De jure droht zwar die Todesstrafe, de facto ist diese aber seit 1987 ausgesetzt.
MilitÀr
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Hauptartikel
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Mauretanische StreitkrÀfte
Die Mauretanischen StreitkrÀfte umfassen 15.870 Soldaten. Das MilitÀr ist gegliedert in die TeilstreitkrÀfte Heer, Luftwaffe und Marine.cite-ref-62[62] Der Verteidigungsetat betrug im Jahr 2020 geschÀtzte 200 Millionen US-Dollar, was 2,5 % des Bruttoinlandsprodukt entspricht.cite-ref-63[63]cite-ref-64[64]
AuĂenpolitik
Mauretanien ist Mitglied der Vereinten Nationen, der Afrikanischen Union (AU), der Organisation der Islamischen Konferenz (OIC), der Union des Arabischen Maghreb (UAM) und der Arabischen Liga. Es war einer der wenigen Mitgliedsstaaten der Arabischen Liga, die diplomatische Beziehungen zum Staat Israel unterhielten. Israel hatte in der Hauptstadt Mauretaniens eine Botschaft, bis diese nach vorangegangenen Protesten gegen den Gazakrieg 2009 auf Druck der Arabischen Liga geschlossen und bisher nicht wieder eröffnet wurde.cite-ref-65[65]
Verwaltungsgliederung
Siehe auch
:
Liste der StÀdte in Mauretanien
und
Liste der Regionen in Mauretanien
Mauretanien gliedert sich in 15 Regionen, drei davon bilden die Hauptstadt Nouakchott. Die folgende Liste gibt neben den Namen der Regionen die zugehörigen HauptstÀdte in Klammern an.
7. Hodh Ech Chargui (Néma)
10. Nouakchott Nord
11. Nouakchott Ouest
12. Nouakchott Sud
14. Tiris Zemmour (Zouérat)
Die Regionen untergliedern sich weiter in Départements.
Wirtschaft
Wirtschaft
Mauretanien ist eines der Ă€rmsten LĂ€nder der Welt und leidet unter Landflucht, unzureichender Infrastruktur in den StĂ€dten, schlechten VerkehrsverhĂ€ltnissen und einer unsicheren politischen Lage, die Investitionen aus dem Ausland entgegensteht. Die grundlegenden Wirtschaftszweige Mauretaniens sind die Landwirtschaft, der Fischereisektor und der Erzbergbau.cite-ref-66[66] An erster Stelle bei den BodenschĂ€tzen steht der Abbau von Eisenerz im Raum FâdĂ©rik/ZouĂ©rat, in kleinerem Rahmen findet bei Akjoujt der Abbau von Kupfer und Gold statt. Seit 2006 wird vor der KĂŒste im Atlantik Erdöl aus dem Chinguetti-Ălfeld gefördert. Mit herkömmlichen Methoden werden im Senegaltal vorwiegend fĂŒr die Selbstversorgung Hirse, HĂŒlsenfrĂŒchte, Reis und Mais angebaut; die AnbauflĂ€che beschrĂ€nkt sich auf nur 0,2 % der StaatsflĂ€che. Mit Hilfe neuer Staudammprojekte am Senegalfluss sollen neue BewĂ€sserungsgebiete erschlossen werden. Viehwirtschaft mit Schafen, Ziegen, Rindern und Kamelen war bis 1960 der Hauptwirtschaftszweig und wird von Nomaden und im SĂŒden von halbnomadischen Ackerbauern betrieben.
Die KĂŒstengewĂ€sser Mauretaniens sind sehr fischreich, ihre RegenerationsfĂ€higkeit ist jedoch durch ĂŒbermĂ€Ăige FĂ€nge gefĂ€hrdet. Ab 1975 begann der staatlich gelenkte Aufbau einer eigenen Fischereiwirtschaft, mit der ein Weg aus der wirtschaftlichen Krise durch DĂŒrrejahre und Westsaharakonflikt gefunden werden sollte. Die Fischereizone wurde auf 200 Meilen ausgedehnt. Durch Joint Ventures mit auslĂ€ndischen Fischereiunternehmen, die der mauretanische Staat ab 1979 einging, ĂŒbertrafen die Erlöse aus der Fischereiwirtschaft in den 1980er und 1990er Jahren die Einnahmen aus dem Eisenerzexport.cite-ref-67[67] Eine eigene Flotte erwies sich dabei als weniger rentabel als die Konzessionsvergabe an europĂ€ische, russische und chinesische Fischereiunternehmen.
Die Landwirtschaft trug 2017 22,5 %, die Industrie 37,8 % und der Dienstleistungssektor 39,7 % zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei, das in diesem Jahr um 3,8 % gewachsen war. BeschÀftigt waren 2014 in der Landwirtschaft allerdings 50 % der ErwerbstÀtigen und nur 1,9 % in der Industrie. Importiert wurden 2017 Waren im Wert von 2.190 Mio. US-$, und zwar vor allem Erdölprodukte und industrielle Erzeugnisse, Exportprodukte waren Eisenerz, Fisch und Fischprodukte, Gold und Kupfer. 21 % der Importe bezog Mauretanien aus Belgien, 11,5 % aus der VAE, 9,2 % aus den USA und 7,5 % aus China. Die Exporte umfassten 1.606 Mio. US-$ und gingen zu 31,2 % nach China, 14,4 % in die Schweiz, 10,1 % nach Spanien und 8,2 % nach Deutschland.
Im Global Competitiveness Index, der die WettbewerbsfĂ€higkeit eines Landes misst, belegte Mauretanien Platz 137 von 138 LĂ€ndern (Stand 2016â17).cite-ref-68[68] Der Index fĂŒr wirtschaftliche Freiheit 2024 des Landes war der 110 höchste von 176 LĂ€ndern.cite-ref-69[69]
| Jahr | 2010 | 2015 | 2016 | 2017 | 2018 | 2019 | 2020 | 2021 | 2022 | 2023 | 2024 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| BIP in Mrd. USD (KaufkraftparitÀt) | 15,1 | 20,4 | 20,8 | 22,5 | 23,6 | 25,1 | 26,4 | 27,6 | 31,6 | 35,0 | 38,1 |
| BIP pro Kopf in USD (KaufkraftparitÀt) | 4.589 | 5.500 | 5.493 | 5.807 | 5.932 | 6.176 | 6.367 | 6.518 | 7.294 | 7.904 | 8.424 |
| BIP-Wachstum (real) | 2,6 % | 5,4 % | 1,3 % | 6,3 % | 4,8 % | 3,1 % | â0,4 % | 0,7 % | 6,8 % | 6,8 % | 6,3 % |
| Inflation (in Prozent) | 6,3 % | 0,5 % | 1,5 % | 2,3 % | 3,1 % | 2,3 % | 2,4 % | 3,6 % | 9,6 % | 4,9 % | 2,5 % |
| Staatsverschuldung (in Prozent des BIP) | 44 % | 60 % | 58 % | 56 % | 59 % | 58 % | 56 % | 54 % | 50 % | 47 % | 43 % |
Staatshaushalt
Der Staatshaushalt umfasste 2017 Ausgaben von umgerechnet 1.396 Mio. US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 1.354 Mio. US-Dollar gegenĂŒber. Das entspricht einem Haushaltsdefizit von 0,8 % des BIP.cite-ref-cia-21-3[21] Die Staatsverschuldung betrug 2016 99,6 % des BIP.cite-ref-70[70]
Infrastruktur
Das gesamte StraĂennetz umfasste 2018 etwa 12.253 Kilometer, von denen 3.988 Kilometer asphaltiert sind.cite-ref-cia-21-4[21] Acht FernstraĂen sind als NationalstraĂen klassifiziert, darunter die N2, die Teil des Kairo-Dakar-Highways (TAH 1) ist.
Die Bahnstrecke NouadhibouâMâHaoudat ist mit 728 Kilometer LĂ€nge die einzige Eisenbahnlinie des Landescite-ref-cia-21-5[21] und fĂŒhrt von den Eisenerzminen bei FâdĂ©rik und ZouĂ©rat im Norden des Landes quer durch die Sahara zur Hafenstadt Nouadhibou. Die hier verkehrenden ZĂŒge zĂ€hlen zu den lĂ€ngsten und schwersten der Welt. Ăber 200 Waggons werden von bis zu vier Lokomotiven gezogen. Dabei haben sie bis zu 21.000 Tonnen Eisenerz geladen. Der gröĂte Feind der Bahnstrecke ist der Sand. Alle hundert Kilometer ist ein Entsandungstrupp stationiert, dessen Aufgabe es ist, die vom Sand zugeschĂŒtteten Gleise wieder freizuschaufeln. Der Sand ist so aggressiv, dass die Gleise und auch die VerschleiĂteile des Zuges nur ein Sechstel der normalen Lebenszeit haben.
Neben den traditionellen FischereihĂ€fen der KĂŒstenbewohner verfĂŒgt Mauretanien ĂŒber einen schon zur Kolonialzeit genutzten Tiefwasserhafen in der Bucht Dakhlet NouĂądhibou im Norden der KĂŒste.cite-ref-71[71] Seit 1986 verfĂŒgt auch die Hauptstadt Nouakchott mit dem Port de lâAmitiĂ© ĂŒber einen in der hafenarmen KĂŒste kĂŒnstlich angelegten Tiefwasserhafen, der die Versorgung der zur Millionenstadt anwachsenden Bevölkerung wesentlich erleichtert.
In nahezu allen Verwaltungsregionen des Landes finden sich FlughĂ€fen und FlugplĂ€tze. Der einzige regelmĂ€Ăig aus dem Ausland angeflogene internationale Flughafen war bis 2016 der innenstadtnahe Flughafen Nouakchott, der dann durch den weiter auĂerhalb neu gebauten Flughafen Nouakchott-Oumtounsy ersetzt wurde. Der zweitwichtigste Flughafen des Landes mit internationalen und nationalen Verbindungen ist der Flughafen Nouadhibou. Der Flughafen Atar verfĂŒgt nur ĂŒber unregelmĂ€Ăige oder saisonale Verbindungen ins Ausland.
Kultur
Die Kultur der Mauren ist von der ehemals dominierenden nomadischen Lebensweise geprĂ€gt. Die hoch entwickelte kunsthandwerkliche Tradition brachte SchmuckstĂŒcke und HaushaltsgegenstĂ€nde (HolzschĂŒssel gdah) hervor, die fĂŒr das Leben im Zelt (chaima) und zum Transport mit Kamelen (Reitsattel rahla) bestimmt sind. Im Zelt wird das GepĂ€ck auf einem Gestell (amchaqab) aufbewahrt. Das Armlehnkissen surmije wurde vom Zelt in die AufenthaltsrĂ€ume der WohnhĂ€user ĂŒbernommen. Zentren des Kunsthandwerks sind Boutilimit (Silber- und Lederwaren) und Mederdra (Holzschnitzereien und Schmiedekunst) in der Verwaltungsregion Trarza.
Musik
Die anspruchsvolle Musik der Bidhan gehört historisch zur herrschenden Schicht der Hassani (Kriegerkaste) und ist von der arabischen Musik beeinflusst. Die komplexe Musiktheorie orientiert sich an den musikalischen Möglichkeiten der BinnenspieĂlaute tidinit, die nur von MĂ€nnern gespielt wird. Frauen spielen als einziges Melodieinstrument die Bogenharfe ardin. Das ĂŒbliche Rhythmusinstrument der Frauen ist die Kesseltrommel t'bol. Professionelle Musiker gehören traditionell zur Musikerkaste IggÄwen (Sing. iggÄ«w), die nach ihrer gesellschaftlichen Funktion als GeschichtenerzĂ€hler zu den westafrikanischen Griot gezĂ€hlt werden. In der heutigen stĂ€dtischen Musikszene ist die tidinit weitgehend durch die lauter klingende E-Gitarre ersetzt.
Die arabisch-westafrikanisch beeinflusste Volksmusik der Haratin und Handwerker (maÊżllemÄ«n) unterscheidet sich von der Musik der Bidhan. Ihre Musikinstrumente zur privaten Unterhaltung sind die einsaitige KalebassenspieĂlaute gambra (vgl. gimbri) und die einsaitige Streichlaute rbÄb (vgl. ribÄb). Hinzu kommen verschiedene Flöten und Perkussionsinstrumente, etwa die Kalebassenrassel daghumma. Die Musik der schwarzafrikanischen Soudans orientiert sich an den Musikstilen von Mali und Senegal.
Mauretanische KĂŒche
Durch das trocken-heiĂe WĂŒstenklima muss GemĂŒse meistens teuer nach Mauretanien importiert werden, deshalb steht es nur selten auf dem Speiseplan der mauretanischen KĂŒche. Auch Fische und MeeresfrĂŒchte kommen eher selten auf den Tisch, obwohl Mauretanien am Atlantik liegt. Beliebte Fleischsorten sind Rind, Lamm und Huhn, aber auch Tauben und Antilopen werden gerne gegessen.
In Mauretanien gilt Couscous als Nationalspeise. Weitere typische mauretanische SpezialitĂ€ten sind Maru we-llham (Reis mit Fleisch) und Al mechwi (Fleisch im erhitzten Sand gegart). Beliebte GetrĂ€nke sind Tee, der meistens stark gesĂŒĂt ist, sowie Milch, Dickmilch und Zrig, ein gekĂŒhltes GetrĂ€nk aus Joghurt oder Milch, Wasser und Zucker. Eine Kochkultur konnte sich in einem nomadischen Alltag, der von der Suche nach Weideland, Wasser und stets von Mangel geprĂ€gt war, nicht entwickeln. Die ErnĂ€hrungsgrundlage in der WĂŒste sind Kamelmilch oder Kuhmilch und Datteln. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts verbreitete sich die Teekultur aus Marokko ĂŒber das gesamte Land und grĂŒner Tee mit Pfefferminze wurde zum NationalgetrĂ€nk.
Sport
Bis 2007 fĂŒhrte die Rallye Dakar und seit 2009 fĂŒhrt das Africa Eco Race durch Mauretanien.
Special Olympics Mauretanien wurde 1997 gegrĂŒndet und nahm mehrmals an Special Olympics Weltspielen teil.
Literatur
âą Edith Kohlbach: ReisefĂŒhrer Mauretanien. 3. Auflage. Kohlbach, 2019, ISBN 978-3-941015-30-2.
âą Anthony G. Pazzanita: Historical Dictionary of Mauritania. 3. Auflage. Scarecrow Press, Lanham (Maryland) 2008, ISBN 978-0-8108-5596-0 (englisch).
âą Robert Randau: Die Erfindung Mauretaniens â Xavier Coppolani 1866â1905. mit einem Vorwort von Ulrich Rebstock. Hrsg.: Helmut WĂŒst. Edition Hamouda, Leipzig 2014, ISBN 978-3-940075-98-7 (titelkatalog.com).
Weblinks
Commons
: Mauretanien
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Mauretanien
â BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
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â ReisefĂŒhrer
âą Atlas: Mauretanien â geographische und historische Karten bei Wikimedia Commons
⹠LÀnderinformationen des AuswÀrtigen Amtes zu Mauretanien
âą Datenbank inhaltlich erschlossener Literatur zur gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Situation in Mauretanien
âą Ulrich Rebstock: Democracy, islamicity, and tribalism in Mauritania. (PDF; 3,1 MB) In: Thomas Bierschenk (Hrsg.): Islam und Entwicklung in Afrika. Köppe, Köln 2007, S. 51â65 (Sonderdrucke aus der Albert-Ludwigs-UniversitĂ€t Freiburg)
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Einzelnachweise
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19.566666666667-10.65coordinatesKoordinaten: 20° N, 11° W